Timber Timbre - 11.04.2017 - Huxleys Neue Welt

Timber Timbre

Timber Timbre

Foto: Caro Desilets

 

Timber Timbre begleiteten uns seit über einer Dekade und wurden über die Jahre zu so etwas wie einer Institution in der wie auch immer verorteten Indie-Rock- und Folk-Welt. Immer schön unterm Radar und immer schön eigensinnig gelang es ihnen, über die Jahre eine beeindruckende Fangemeinde um sich zu versammeln. Das ist nun eigentlich nichts ungewöhnliches, aber wenn solche Bands nicht nur in ihrer eigenen Suppe schmoren, sondern sich musikalisch weiterentwickeln und von Album zu Album besser werden, dann ist das wirklich faszinierend.

 

Das neue Werk "Sincerely, Future Pollution" (VÖ am 7. April) ist ein Album, das eine Band nur alle zehn Jahre schreibt, oder vielleicht auch nur einmal in der Karriere. Es klingt wie: Weltraum Noir. Tindersticks on Mars. Das Gegenteil von "La la Land". Roy Orbison in der Regie von David Lynch. Der Tunnel Of Love von Bruce Springsteen, aber ohne Ausgang. Reflektiert und doch poetisch - modern, aber vor allem zeitlos schön. Und so holzig und sperrig Timber Timbre dabei gelegentlich auch sind, Taylor Kirk kann Geschichten aus der Geisterwelt genauso überzeugend singen wie auch die Atmosphäre eines Halbwelt-Nachtclubs vor unserem inneren Auge entstehen lassen.

 

Der erste Album-Vorgeschmack "Sewer Blues" unterstrich einmal mehr die Intention der Band, sich und ihre Hörer in geheimnisvoller Düsternis zu ertränken. Die Vorreiter des "Gothic Rockabilly Blues" legten dabei den nächsten Soundtrack eines Film Noir hin und bewegten sich damit einmal mehr nahe am Rand der Perfektion. Mitte Februar schickte die Band ihre neue Single "Velvet Gloves & Spit" hinterher: so klangen Timber Timbre noch nie. Eine sinistre Ballade, die auf skelletierten Synthiakkorden basiert und auch ansonsten nur durch minimale Stilmittel akzentuiert wird. In der Hand von jedem anderen wäre dieses Stück in einer Bombast-Sauce erstickt worden, bei Timber Timbre geriert es sich zu einem verhuschten aber umso intensiveren Lullaby mit Garantie auf wirklich weirde Träume.

 

Live sind die Kanadier ohnehin eine Sensation:  "Theatralisch hebt Kirk die Hand, blickt träumerisch in die Ferne und reißt herrisch am Hals seiner Gretsch-Gitarre, als müsse er ein wildes Pferd zügeln. Und dann diese Stimme, auf die man einfach nicht vorbereitet ist, egal wie oft man sie schon auf Platte gehört hat: In den Tiefen ein vibrierender Bass und ein zarter Bariton in der Höhe." schrieb der Tagesspiegel anlässlich des letzten Berlin-Auftritts der Band. Wenn Timber Timbre auf der Bühne stehen, verwandelt sich das Konzerthaus in einen Ort der Magie. Wir sehen uns wieder zwischen den Welten, im April.